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Gesundheit

Lipödem: Diagnose, Therapie und Leben mit der Erkrankung

23. November 2025
10 Min Lesezeit

Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die hauptsächlich Frauen betrifft und oft jahrelang unerkannt bleibt. Betroffene leiden unter schmerzhaften, dicken Beinen trotz Sport und Diät. Wir vom Sanitätshaus Activ Med in Dillingen klären auf über Diagnose, Therapiemöglichkeiten und den Umgang im Alltag.

Was ist ein Lipödem?

Ein Lipödem ist eine chronische Erkrankung, bei der sich krankhaft vermehrtes Fettgewebe symmetrisch an Beinen und manchmal auch Armen ansammelt. Anders als bei normalem Übergewicht lässt sich dieses Fett nicht durch Diät oder Sport reduzieren. Die Erkrankung geht mit Schmerzen, Druckempfindlichkeit und einer Neigung zu Blutergüssen einher.

Schätzungsweise 3,8 Millionen Frauen in Deutschland sind betroffen – die Dunkelziffer ist vermutlich höher, da viele Lipödeme erst spät oder gar nicht diagnostiziert werden. Männer sind extrem selten betroffen.

Typische Symptome eines Lipödems

  • Symmetrische Fettverteilung: Beide Beine/Arme sind gleichmäßig betroffen
  • Säulen- oder Reiterhosenbeine: Charakteristische Form mit dicken Oberschenkeln
  • Schmerzen und Druckempfindlichkeit: Die Beine tun weh, besonders bei Berührung
  • Neigung zu blauen Flecken: Schon leichte Stöße führen zu Hämatomen
  • Schweregefühl: Die Beine fühlen sich müde und schwer an
  • Dellen und Knoten: Orangenhaut-ähnliche Oberfläche
  • Füße und Hände bleiben schlank: Typisches Missverhältnis
  • Keine Besserung durch Abnehmen: Der Oberkörper wird dünner, die Beine bleiben dick

Die drei Stadien des Lipödems

Stadium 1 (leicht)

Die Hautoberfläche ist noch glatt, aber das Unterhautfettgewebe ist verdickt und knotig. Die Beine wirken prall und gespannt. Schmerzen und Druckempfindlichkeit sind bereits vorhanden.

Stadium 2 (mittel)

Die Hautoberfläche zeigt Dellen und Wellen (Orangenhaut). Das Fettgewebe bildet größere Knoten. Die Schmerzen nehmen zu, die Beweglichkeit ist eingeschränkt. Hautfalten und Wülste können entstehen.

Stadium 3 (schwer)

Große, verhärtete Fettlappen hängen herab. Die Beine sind stark deformiert, was Gehen und Bewegung erheblich erschwert. Es können sich Hautfalten bilden, in denen Ekzeme und Entzündungen entstehen. Die Lebensqualität ist stark eingeschränkt.

Wie wird ein Lipödem diagnostiziert?

Die Diagnose stellt idealerweise ein Facharzt für Phlebologie (Venenheilkunde) oder Lymphologie. Wichtig ist eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Typische Diagnosemethoden:

  • Klinische Untersuchung: Begutachtung der Beine, Tastbefund, Symmetrie-Prüfung
  • Stemmer-Zeichen: Test zum Ausschluss eines Lymphödems (negativ bei Lipödem)
  • Ultraschall: Darstellung der Fettgewebsstruktur
  • Ausschlussdiagnostik: Abgrenzung zu Adipositas, Lymphödem oder anderen Erkrankungen

Therapiemöglichkeiten beim Lipödem

Ein Lipödem ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern, das Fortschreiten zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern.

1. Kompressionstherapie (Basis-Therapie)

Die wichtigste und wirksamste konservative Behandlung ist die Kompressionstherapie mit Flachstrick- Kompressionsstrümpfen. Diese speziellen medizinischen Strümpfe:

  • Reduzieren Schmerzen und Schweregefühl
  • Verhindern weitere Flüssigkeitseinlagerungen
  • Stabilisieren das Gewebe
  • Verbessern die Lebensqualität deutlich

Wichtig: Bei Lipödem werden Flachstrick-Strümpfe benötigt, nicht die dünnen Rundstrick-Strümpfe für Venenerkrankungen. Flachstrick-Strümpfe sind robuster, haben eine Naht und werden individuell auf Ihre Beinform angepasst.

2. Manuelle Lymphdrainage

Regelmäßige manuelle Lymphdrainage durch spezialisierte Therapeuten hilft, überschüssige Flüssigkeit abzutransportieren und Schwellungen zu reduzieren. Optimal ist eine Kombination aus Lymphdrainage und anschließendem Tragen von Kompressionsstrümpfen.

3. Bewegung und Sport

Gelenkschonende Sportarten unterstützen die Therapie:

  • Schwimmen und Aqua-Fitness (ideal wegen Wasserdruck)
  • Radfahren
  • Walking oder Nordic Walking
  • Yoga und Pilates

Wichtig: Sport sollte mit Kompressionsstrümpfen durchgeführt werden!

4. Ernährung

Auch wenn sich das Lipödem-Fett nicht "wegessen" lässt, ist eine gesunde, entzündungshemmende Ernährung sinnvoll:

  • Vermeidung von Übergewicht (belastet die Beine zusätzlich)
  • Reduzierung von Zucker und Weißmehl
  • Viel Gemüse, Omega-3-Fettsäuren, hochwertiges Eiweiß
  • Ausreichend trinken (mindestens 2 Liter Wasser täglich)

5. Liposuktion (operative Therapie)

Bei fortgeschrittenem Lipödem kann eine Fettabsaugung (Liposuktion) sinnvoll sein. Dabei wird das krankhafte Fettgewebe operativ entfernt. Wichtig: Nach der OP ist weiterhin Kompressionstherapie notwendig! Die Kosten werden mittlerweile von vielen Krankenkassen übernommen, wenn konservative Therapien nicht ausreichend helfen.

Leben mit Lipödem: Praktische Alltagstipps

  • Kompressionsstrümpfe konsequent tragen: Jeden Tag, von morgens bis abends
  • Beine hochlegen: So oft wie möglich, besonders abends
  • Hitze vermeiden: Sauna, heiße Bäder und direkte Sonne verstärken Beschwerden
  • Kühlen hilft: Kühlpacks oder kalte Duschen lindern Schmerzen
  • Passende Kleidung: Lockere Schnitte, dehnbare Materialien
  • Hautpflege: Tägliches Eincremen hält die Haut geschmeidig
  • Selbsthilfegruppen: Austausch mit Betroffenen hilft psychisch
  • Regelmäßige Kontrollen: Fortschritt der Erkrankung überwachen

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Kompressionsstrümpfe: Werden bei ärztlicher Verordnung von allen Krankenkassen übernommen. Sie haben Anspruch auf 2 Versorgungen pro Jahr (je 2 Paar Strümpfe). Die Zuzahlung beträgt nur die gesetzliche Rezeptgebühr.

Lymphdrainage: Wird bei entsprechender Verordnung ebenfalls übernommen.

Liposuktion: Seit 2020 ist die Kostenübernahme für Liposuktion bei Lipödem Stadium 3 gesetzlich geregelt. Bei Stadium 2 entscheiden Krankenkassen individuell.

Wie wir Ihnen in Dillingen helfen können

In unserem Sanitätshaus Activ Med sind wir spezialisiert auf die Versorgung von Lipödem-Patientinnen:

  • Individuelle Beratung und Vermessung (auch mit 3D-Scanner)
  • Große Auswahl an Flachstrick-Kompressionsstrümpfen in vielen Farben und Ausführungen
  • Hilfe bei der Beantragung und Abrechnung mit der Krankenkasse
  • Anleitung zum richtigen An- und Ausziehen
  • Beratung zu Anziehhilfen
  • Regelmäßige Nachkontrollen und Anpassungen

Fazit: Sie sind nicht allein

Ein Lipödem ist eine ernsthafte Erkrankung, aber keine Katastrophe. Mit der richtigen Therapie – insbesondere konsequenter Kompressionstherapie – lässt sich die Lebensqualität deutlich verbessern. Der erste Schritt ist die richtige Diagnose beim Facharzt. Der zweite Schritt: eine gute Versorgung mit passenden Kompressionsstrümpfen. Dabei unterstützen wir Sie gerne.

Kompetente Lipödem-Versorgung in Dillingen

Wir nehmen uns Zeit für Sie und finden gemeinsam die optimale Kompressionsversorgung für Ihr Lipödem. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin in unserem Sanitätshaus.